Der gefährliche Drang nach Adrenalin

Nördlich der Whitsunday Coast, in Reichweite der lebendigen Stadt Townsville machten wir ein weiteres Mal Rast. Townsville Uferbereich erstreckt sich über viele Kilometer und ist von trendigen Bars und Einkaufs Möglichkeiten gesäumt. Da sich unsere Reise durch Australien langsam aber sicher dem Ende neigte und wir (laut den Aussagen der Frauen) noch nicht braun genug waren, genossen wir ein weiteres Mal den Strand und tankten die letzten Sonnenstrahlen bevor es weiter gen Norden ging.

Da ich bisher unglaublich tolle Erfahrungen mit Wasserfällen gemacht hatte, überredete ich die anderen ein Abstecher in die Berge zum 175 km entferntem Girringun Nationalpark zu machen. Ich wollte einen weiteren UNESCO Weltnaturerbe erkunden, die Wallaman Waterfalls. Mit einer Höhe von ca. 278 Meter ist er der höchste einstufige Wasserfall Australiens und das sollte doch ein Blick wert sein?!

Abends ging es los Richtung Ingham, ein kleines Städtchen das nur 50 km von den Wasserfällen entfernt ist, wo wir übernachten sollten, bevor es am nächsten tag weiter geht. Doch so einfach wie ich mir die Fahrt vorstellte und berechnet hatte war sie keinesfalls. Auf dem Weg nach Ingham wurde es immer dunkler. Der Horizont malte seine letzten roten Farben in den Himmel, bevor er durch die schwarze Dunkelheit verschlungen wurde und nur noch der Lichtpegel unseres Wohnmobils die Straße beleuchtete.

Alles schwarz, dunkel. Aber Moment mal, irgendetwas stimmte da doch nicht mit dem Himmel!? Er blieb weiterhin feuerrot. Was war das? Meine Vermutung war zu Beginn ein entfernter LKW der uns entgegen kam, doch je länger ich weiter fuhr desto intensiver wurde das Licht. Das konnte kein LKW sein. Ich weckte die anderen, die mittlerweile alle schon schliefen, denn es fing an zu stinken. Es roch nach Asche. Scheiße! Unser Puls schoss nach oben, klar(!), das war ein Waldbrand, unmittelbar in unsere Nähe! Und nun was tun? Wir waren alleine, weit und breit kein Mensch oder ein Fahrzeug. Die Stadt Ingham noch mindestens 50 km entfernt, umdrehen? Nein, dafür war es zu spät.

Waldbrand Australien

Waldbrand Australien

Ich weiß auch nicht, aber ich hatte nur noch einen Gedanken. Ich musste näher zum Feuer, zum Waldbrand! Wieso keine Ahnung?! Ich wusste nur eins, ich muss mehr davon sehen. Wir fuhren vom Weg ab, auf ein Feldweg in Richtung Feuer. In der Entfernung sah man aus den Baumkronen das Feuer lodern. Wir blieben stehen und stellten uns auf den Wohnwagen um es besser anzuschauen, Christine, Timo und ich… Sie verspürten dasselbe wie ich. Schweißnasse Hände, ein Puls von gefühlten 150, ein Atemberaubender, mächtiger Anblick in dieser dunklen Nacht und Adrenalin pur…

…wir waren so gebannt, bis uns Sabine wieder zurück in die Realität holte und uns anschrie ob wir eigentlich spinnen und das wir endlich weiter fahren sollten, statt den Waldbrand anzuschauen.

Ja vielleicht hatte sie ja Recht, aber wir konnten nichts dazu, irgendwie brauchten wir das… Völlig hyperaktiv fuhren wir weiter und überließen dem Wald das Feuer. Eins wussten wir, heute Nacht würden wir so schnell nicht einschlafen können.