Interview mit Deutschlands Reiseguru Chriss zum Thema Couchsurfing

300 Tage im Jahr reist er durch die Welt

Vor ein paar Tagen hatte ich Besuch von einem Couchsurfer. Was ist Couchsurfing? Ich selbst habe es auch schon gemacht, es ist eine Art zu reisen, bei der man statt einem Hotel oder Hostel auf Einheimische zurückgreift, bei denen man für die Zeit des Aufenthalts wohnt. Der Vorteil liegt auf der Hand, man lernt Einheimische kennen und lernt zu verstehen wie diese leben – ein netter Nebeneffekt – es ist kostenlos und so spart man sich auch noch Geld.

Die Anfrage erhielt ich von Chriss, einen für mich bereits bekannten aus dem Internet, denn ich seit knapp 6 Jahre kenne. Wer ist Chriss? Chriss gehört für mich in Deutschland zu einer der größten Reisegurus überhaupt. Als Co-Gründer von Exbir.de (Extrem billig reisen) hat er sein Hobby zum Beruf gemacht und reist seit mehreren Jahren durch die Welt, während er uns mit günstigen Deals wie 1€ von Frankfurt nach London versorgt oder Tipps gibt, wie man extrem billig reisen tut.

Er selbst ist im Jahr ca. 300 Tage unterwegs und sammelt dabei über 100 Flüge zusammen. Schaut man sich seine Karte an, wo er bisher schon überall war, ist dies wirklich beachtlich. Umso mehr freue ich mich über das Interview und das Couchsurfing mit Chriss:

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Diese Flughäfen hat Chriss bereits angesteuert.

Zum Couchsurfing Inverview

Hallo Chriss,

vielen Dank, das du dir heute für mich die Zeit für ein Interview genommen hast. Du bist ja selbst schon viel in der Welt rumgekommen, dabei sicherlich auch einige Erfahrungen mit Couchsurfing gemacht. Erzähl mal, wie oft hast du bereits Couchsurfing gemacht?

Um die 150 Mal denke ich. Zählen tue ich es nicht. Ich habe aber über 100 Referenzen und einige „Couchsurfing Freunde“.

Wie viele Anfragen schickst du in der Regel raus, um eine Bestätigung bei Couchsurfing zu erhalten? Was sind deine Texte? Ein Standard Text für alle oder individuell?

Das kommt ganz darauf an. Wenn ich ein interessantes Profil lese nehme ich darauf natürlich Bezug.  Es gibt ja viele Bezugspunkte, das kann von Studium über Hobbys bis zum Geburtsort sein.  Meistens fällt mir da schon ein netter Einstieg ein.
Die Vorstellung meiner Person und meiner aktuellen Reise sind jedoch generell Copy&Paste. Es macht ja gar keinen Sinn, dass jedes Mal neu zu tippen.

Wie suchst du nach Couchsurfer? Hast du da ein Schema? Oder fragst du einfach drauf los?

Eine Faustformel gibt es da nicht: Ich habe tatsächlich mal probiert nur neue Mitglieder anzuschreiben oder nur welche mit vielen Referenzen oder nur welche die innerhalb der letzten 14 Tage online waren:  Die Erfolgsquote hat das nicht erhöht.
Wenn man ein gutes und positives Erlebnis haben will sollte man aber schon schauen dass es passt: Das müssen gar keine gemeinsamen Interessen sein: Es reicht oft auch, wenn ich mir denke: Das was er der macht klingt aber cool – auch wenn ich es mir für mich vorstellen kann – und möchte mehr darüber erfahren.
Besonders gerne surfe ich bei osteuropäischen Studenten/innen die selber gerne reisen: Die wissen oft wie es ist mit super wenig Geld zurechtkommen zu müssen, sind meist super offen und gesellig und kennen vor Ort allerlei tolle Dinge die man für wenig Geld erleben kann.

Wie war deine erste Erfahrung mit Couchsurfer?

Meine allererste Couchsurfing-Erfahrung war in Porto, bei Joao. Natürlich habe ich mich vor dem ersten Mal schon gefragt, was mich erwartet, wie Joao wohl so drauf ist, und wie es so ist. Und was er von mir erwartet. Am Ende war alles ganz easy. Eine gute Erfahrung. Joao war arbeiten und hatte wenig Zeit, so, dass wir uns nur kurz abends unterhielten. Aus heutiger Sicht eine durchschnittliche Erfahrung, nett, unkompliziert, hilfreich.

Gibt es Länder die einfacher zu bereisen sind mit Couchsurfing?

Ja klar. Aus verschiedensten Gründen. In einigen Ländern aufgrund der Gesetzeslage z.B. in Kuba. Bei ärmeren Ländern leben die Familien oft auf so engem Raum, dass sie auch keinen Couchsurfer haben wollen. In Russland, China und einigen ehemaligen GUS-Staaten müssen Ausländer bei der Polizei registriert werden. Auch da hat nicht jeder Lust drauf. Wobei Couchsurfing in Russland und China natürlich dennoch funktioniert. Man registriert sich dann einfach nicht. In Russland kann man auch einfach am Anfang in einem Hostel absteigen und sich dort registrieren lassen und dann auf die Couch wechseln.

Was war deine außergewöhnlichste Couchsurfing Erfahrung die du bisher hattest?

Das ist schwierig, da die Erfahrungen so unterschiedlich waren.

Mit Julia in Oulu war es sensationell: Wir sind noch zusammen ein paar Stunden nach Norden gefahren zum Polarkreis, vorbei an der Sommerhütte ihrer Eltern an einem See (davon hat Finnland unendlich viele) zur Heimat des Weihnachtsmanns und haben dann den Sonnenuntergang gesehen: Denn dort wird es ja nicht mehr dunkel. Die Sonne geht also ein wenig tiefer wie bei uns am frühen Abend bleibt aber immer sichtbar und geht dann einfach kurze Zeit später wieder langsam nach oben. Weltklasse, das alles hätte ich alleine nie erleben können.

Oft sind es ja die Couchsurfing-Erlebnisse die eine Reise ganz besonders und unvergesslich machen. Izolda in Targu Mures: Eine absolut brillante Medizinstudentin – die mich auf einen „Gypsi-Markt“ mitgenommen hat: Wahnsinn was man dort alles kaufen konnte inklusive echter Totenköpfe…

Pinar aus Izmit: Eigentlich suchte ich nur einen Platz zum Schlafen, da ich abends ankam und morgens einen Früh Flug hatte: Manche Couchsurfing-Member sagen ja, dann sollte man nicht Couchsurfen: Ich verstehe jeden Host der sagt: Das möchte ich nicht. Aber: Man kann auch maximalen Spaß haben. Geschlafen haben wir nicht, aber Pismanye gefuttert.

Shogo – mein Host in Saporro auf Hokaido Japan:  Er kannte fast alle BVB-Spieler wie Riedle, Kohler, Cesar etc. und hatte sogar das CL-Finale 1197 auf DVD.

Manchmal wenn man in einer WG surft kann es auch sein, dass man neben dem eigentlichen Host neue Freunde gewinnt.
Einige Couchsurfer habe ich bereits mehrfach besucht und auch zu mir eingeladen: Wenn man sich versteht hat man dann praktisch ein zu Hause in Sydney, Cluj oder Bukarest.

Hast du auch bereits negative Erfahrungen mit Couchsurfing gemacht?

Ja klar, nichts im Leben ist immer perfekt, oder? In der Osttürkei wurde ich zweimal versetzt: Hatte der potentielle Host am Vortag noch gefragt wann ich ankomme und angeboten mich am Airport abzuholen war er weder dort noch ging er an sein Telefon oder antwortete via Couchsurfing. Das zweite Mal versetzt wurde ich in Antakya/Hatay:  Trotz Zusage war Sie einfach weggefahren. Auch wenn es zwei Mal in der Türkei war möchte ich nichts Negatives über Couchsurfing dort sagen: Einige meiner besten und eindrücklichsten Couchsurfing-Erfahrungen waren in der Türkei.

Was sind deine Tipps für Couchsurfer?

Schreibt einen vernünftigen Request aus dem hervorgeht wer ihr seid, warum ihr vor Ort seid und was eure Pläne sind. Das macht es für den Host einfacher zu sehen ob es passt – auch zeitlich.

Wenn ihr nur eine Couch zum Schlafen wollt, könnt ihr auch blind Request verschicken: manchmal trifft man auch so auf tolle Leute die man sonst nie getroffen hätte und hat super Erfahrungen.  Wenn ihr aber die Profile lest und gemeinsame Interessen findet, dann ist es meist leichter in Gespräch zu kommen oder zusammen etwas zu Unternehmen.
Und das Wichtigste seit offen für andere Lebensmodelle und Einstellungen:  Denn bei Couchsurfing findet ihr vom ordentlichen Bänker bis hin zum mega- relaxten Langzeitstudi alle möglichen Charaktere.

 

Couchsurfing ist aber nur dann interessant, wenn man alleine reist. Ist man zu zweit oder mit mehr Personen unterwegs, dann empfiehlt sich die Seite Likibu*. Ein Vergleichsportal für Ferienwohnungen und Ferienhäuser.

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