Todesangst in Bangkok – Thailands Airport Mafia

Na ja da hab ich wohl falsch gedacht als ich dachte ich könnte mal kurz mein Rucksack holen und dann weiter reisen. Am Flughafen wusste niemand wirklich wo ich mein Rucksack abholen konnte. Sie schickten mich deshalb von einem Eck ins Nächste und als ob das nicht genug wäre, schickte man mich auch noch außerhalb vom Flughafen (Umkreis 5 km)  zu den verschiedensten Gebäuden. Na super!  Nach 5 Stunden Suche und Fragerei schien ich meinem Ziel nahe, eine „Free Zone“ mit mehreren Gebäuden, in der Importierte Ware gelagert wurde. Das Problem war hier aber, dass nur Mitarbeiter in diese Zone durften (außer man hatte einen speziellen Ausweis den man „irgendwo vorne“ beantragen konnte). Das war natürlich genau die Info die ich hören wollte. Frustriert, genervt und verzweifelt wollte ich gerad nach Frankfurt zum Flughafen anrufen als mich ein Mann ansprach und mir Hilfe anbot. Ich zeigte ihm mein Zettel mit meiner Frachtnummer und was machte er? Er riss ihn mir aus der Hand und sage ich solle ihm folgen auf thailändisch mit Handbewegungen, denn er konnte kein Wort Englisch. Was in dem Moment in mir vorging wollt ihr nicht selber erleben, denn der Mann hat zudem noch nach Alkohol gestunken…

Er lief mit mir durch dunkle Straßen sodass ich jede Minute damit rechnete, er würde mich überfallen. Wir machten eine Abbiegung in eine weitere dunkle Gasse und da standen sie im Lichtpegel, eine Gruppe von thailändischen Männern, mittleren Alters. Ich wusste es ist soweit, ich war bereit mich zu wehren! Ich ballte meine Fäuste, mein Herz schlug wie verrückt und ich war Schweißnass. Mit jedem Schritt denn wir näher auf sie zu kamen, hörte ich mein Herz lauter schlagen. Ich dachte ich wäre mutig, aber in dem Moment hatte ich richtig schiss. Ich hatte Todesangst!

Der betrunkene Mann ging mit mir im Schlepptau zu der Gruppe und mir schien, als fragte er die Männer einige Sachen über  meine Frachtnummer. Es stellte sich also heraus, dass er ein Mitarbeiter war, der mir nur helfen wollte. Oh man, was war da los? Gingen meine Gedanken mit mir durch? Trauen konnte ich ihm trotzdem nicht, denn er stank ja nach Alkohol und konnte kein Wort Englisch. Wieso war er so hilfsbereit? Wollte er vielleicht mein Rucksack? Völlig vom Schweiß durchnässt, rief ich in Deutschland bei Christine an, weil ich meine Eltern nicht unnötig beunruhigen wollte, um folgende Worte zu sagen: „Hallo Schatz, Martin hier, tut mir leid, das ich dich um 5 Uhr morgens anrufe. Ich bin am Flughafen in Bangkok in einer „Free Zone“ wo mehrere Lagerhallen stehen. Sollte ich mich nicht in 3 Stunden wieder melden, bin ich vielleicht tot oder mir ist etwas zugestoßen. Ruf dann die Polizei an und informiere meine Eltern. Ich liebe dich tschüß.“ Mit zittrigen Händen legte ich auf, nicht ganz klar, ob sie alles verstanden hatte, weil sie ziemlich verschlafen klang, doch ich wollte, dass er sieht, dass ich jemanden informiert hatte.

Er hatte uns Tickets besorgt, damit fuhren wir mit dem Bus in die „Free Zone“. Ich hatte mich etwas beruhigt, denn jetzt waren wir ja wieder alleine. Dort angekommen ging es wieder los. Von einem Gebäude ging es ins nächste, tausende Stempel und Papiere sammelten sich an. Ständig rief er von seinem Handy Leute an, die an die Stellen kommen sollten, wo wir neue Stempel und Papiere brauchten. Um halb 12 Uhr Abends brachen wir unser Vorhaben ab, da kein Mensch mehr an dem Abhol-Schalter war.

Er sagte mir dieser Service würde 600 Bath (15€) kosten und jetzt wurde mir klar, wieso er so hilfsbereit war. Er hatte es auf mein Geld abgesehen!  Ich sagte ihm ich hätte kein Geld (hatte meine Geld versteckt), in der Hoffnung er würde mich in ruhe lassen. Aber nichts da, er sagte mir, er würde mich an den 10 km entfernten Flughafen begleiten, wo ich Geld abheben sollte. Naja ich hatte keine andere Wahl, da er meine Papiere hatte. Ich sagte ihm aber das ist dies nur gegen den Tausch der Papiere machen würde, was er dann auch verärgert machte. Um 0 Uhr Abends beschloss ich am Flughafen zu schlafen, da es kein Sinn machte, ein Hotel in Bangkok um die Uhrzeit, 1 Std vom Zentrum entfernt, zu suchen. Wir tauschen Nummern aus und verabredeten uns für den nächsten Tag mittags. Wie sich rausstellte war das wohl nicht die beste Entscheidung…

Kaum ein Auge zugedrückt, Rückenschmerzen und halb erfroren versuchte ich nun auf eigene Faust, mit den erhaltenen Papieren, mein Rucksack zu holen. Ich hatte es satt, über den Tisch gezogen zu werden. Mein Glück war allerdings nicht von langer Dauer…

Am Schalter wollte mir ein Mann weismachen, dass heute Samstag sei und man für alles extra bezahlen würde. Er wollte 4000 Bath (fast 100€) von mir! Ich sagte ihm natürlich, das ich nicht bereit sei zu zahlen da ich schon in Deutschland für das Paket zahlte. Nach einer hitzigen Diskussion, kam doch tatsächlich der Mann von gestern ( der mich in der Nacht und am Morgen 5 mal angerufen hatte, obwohl wir uns erst Mittags verabredeten, ich aber über das Telefon mit ihm nicht sprechen konnte, da er kein Englisch konnte). Er nahm meine Papiere den Männern aus den Händen und es begann von neuem Papiere und Stempel sammeln. Was ich dann zu sehen bekam, ließ mich erschaudern. Er nahm ein altes Dokument bemalte es mit Tipp-Ex, ließ es kopieren und ließ mich alles neu mit meinen Daten ausfüllen. Jetzt wurde mir alles klar! Was hier passierte war wohl nicht ganz nach Vorschrift. Ich beschloss, nach dem er kurz weg war, beweis Fotos zu machen, damit ich im Falle, Druckmittel gegen ihn hatte. Ich konnte froh sein, das er mich damit nicht erwischt hatte.

Thailands Airport Mafia - Beweisfotos

Thailands Airport Mafia – Beweisfotos

Thailands Airport Mafia - Beweisfotos

Thailands Airport Mafia – Beweisfotos

Immer wieder ließ er mich von neuem an verschiedenen Schalter für verschiedene Papiere bezahlen. Am Schluss kostete es mich noch mal 80€ damit ich endlich mein Rucksack zu Gesicht bekam. Für den Service den er dabei geleistet hatte, wollte er noch mal ganze 2000 Bath (50€)! Ich stellte mich dumm und sagte ihm auf thailändisch ich versteh ihn nicht. Er soll doch bitte mit mir an den Flughafen zur Übersetzung. Am Flughafen am Informations-Schalter erzählte ich den Mitarbeitern meine Situation und das er noch mal 2000 Bath von mir wollte. Als die Frau ihn darauf ansprach haute er ab. Er haute einfach ab?! Die Mitarbeiterin von Thai Airways sagte mir darauf hin, ich müsse aufpassen, weil ich mich mit Thailands Airport Mafia angelegt hatte und das ich jetzt erst mal eine Weile mich am Flughafen aufhalten sollte, weil ich da sicher sei und dann die Stadt verlassen sollte.

Oh mein Gott, Thailands Airport Mafia? Nach und nach wurde mir klar, in welcher Lage ich mich befand. Die ganzen Anrufe vom Mann, spät in der Nacht, waren Anrufe, um die Schalter durch Mitarbeiter zu besetzen. Das Ganze Geld das ich zahlte waren alles Schmiergelder an Thailands Airport Mafia. Jetzt machte alles einen Sinn.

Ich setzte mich mit meinem Rucksack auf eine Bank, ließ alles Sacken und fing einfach an zu heulen, auch wenn ich mich dafür schämte, als die Leute mich anschauten. Ich heulte meinen ganzen Frust heraus. Ich rief zu Hause an und erzählte meine ganze Geschichte über Thailands Airport Mafia. Ich war wütend, enttäuscht, erleichtert und glücklich das alles rum war. Meine Hände zitterten noch eine ganze Weile, ich war schweißnass, müde, hatte Hunger und war nervlich am Ende.

Doch ich hatte es geschafft. Thailands Airport Mafia sollte Vergangenheit sein. Jetzt konnte meine eigentlich Asien Reise beginnen…

martinwos.de - My trip around the world

  • Gott sei Dank, dass alles ok ausgekommen ist. Thumbs up for you 😉

  • Thomas

    oh shit hey. wie in einem schlechten film

    • Ja so kam ich mir auch echt vor. Man denkt zwar immer den hau ich um aber da denkst dann ganz anders,,,

  • Pingback: Todesangst in Bangkok – Die Airport Mafia | My trip around the world()

  • Wow, krasses Erlebnis. Von der Airport Mafia hab ich auch noch nie was gehört.

  • narai.martin

    so ein quatsch in thailand gibt es keine airport mafia.
    jeder normale mensch holt sich sein gepäck bei der auffang stelle ab.
    in diesem bereich wo das gepäck ausgehändigt wird kann keine mafia sein da dieser abteil mit dem öffentlichen abteil getrennt ist.

    • Ja, ich wünschte ich hätte die Möglichkeit gehabt, mir mein Gepäck wie ein normaler Mensch abzuholen, was allerdings nicht möglich war. Ein Gepäck ist bei einem normalen Flug immer an eine Person gebunden. Da mein Gepäck über ein Frachtflugzeug „verschickt“ wurde, landete mein Gepäck an einen ganz anderen Ort, ein Bereich, der eigentlich für normale Touristen nicht zugänglich ist, sondern nur für Speditionen etc. Das heißt, in meinem Beitrag beziehe ich mich nicht auf den Touristen Flughafen, sondern auf den Bereich des Flughafens, der für die Logistik zuständig ist.